Mit dem Rad nach Norwegen



Ich wurde häufiger gefragt: warum denn Norwegen? Eine Antwort hatte ich nicht, irgendwie hat es sich halt so ergeben. Der eigentliche Auslöser war eine vergangene Radreise: da ging es von zu Hause (Oldenburg) nach Dänemark/Ringkøbingfjord. (War eine spontane Idee, weil wir da eh Urlaub machten und dachte, ich kann ja mit dem Rad hinfahren) War eine Tour von 4 Tagen mit einem katastrophalen Zelt. Man hätte auch eine Plastiktüte nehmen können :-) Darum kaufte ich mir kurz nach der ersten Tour ein besseres Zelt (Wolfskin weight watcher). Nun lag dieses Zelt also hier im Regal, ungenutzt. Also, ich musste doch nochmal los, schließlich hab ich doch nun das Zelt...Beim meiner ersten Tour hatte ich das Rennrad genommen, mit Gepäckträger an der Sattelstütze. Kann man mal machen- muss man aber nicht. Also schaute ich mich vorsichtig nach Alternativen zu meinem Renner um. Das fing an bei "für 500€ kann ich dir eins aufbauen" klang gut, entsprach aber nun gar nicht meinen Vorstellungen von einem anständigen Rad. Und es endete bei einem Cannondale Touring für deutlich über 1000€. Auweia, viel zu teuer!
Mittlerweile hatte ich mir aber in den Kopf gesetzt, eine etwas größere Radtour zu machen- naja, so hatte ich ja meine Rechtfertigung für das gute Stück :-)

Skandinavien war klar, aber noch nicht wohin. Im "normalen" Urlaub (Dänemark) blätterte ich durch Reiseführer für Norwegen und Schweden und zu Hause fiel mir ein Buch in die Hand "Norwegen per Rad" - das klang so interessant, dass ich beschloss, es soll Norwegen sein. Auch wenn ich mich nach dem Lesen der ersten Seiten selbst fragen musste: warum denn dahin? Es ist einsam,kalt und es wird dauernd regnen. Sicherheitshalber guckte ich bei wetter-online wie es denn letztes Jahr im Septmeber da aussah: einen Tag hat es nicht geregnet. Ohoh...trotzdem, mittlerweile hatte ich mich mit Norwegen angefreundet und ich hab ja gute Regenkleidung.
Geplant war ab Haugesund an der Küste hochzufahren und dann Richtung Voss/Rallarvegen. Ich wollte von zu Hause losfahren und dann die Fähre Hanstholm-Haugesund nehmen. Ich wollte schon deshalb hier los, um mich warm zu fahren. Das Stück durch Dänemark sollte Routine sein, bevor es dann so richtig losgeht.

Ich war vorher noch nie in Norwegen- und das war auch gut so. Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, dann hätte ich mich nicht getraut. Schließlich komme ich aus einer Gegend die ausgesprochen flach ist. Schon die Dünen in Dänemark sind riesige Berge für mich.

Die ersten Abweichungen vom Plan gab es schon vor der Abreise: Ursprünglich sollte es am Samstag 2.9. losgehen. Ich hatte aber in den Nächten auf Freitag und auf Samstag gearbeit (Taxi fahren), so dass ich den Start auf Sonntag verschob. Damit ich mit der Zeit trotzdem hinkomme (Fähre ging am Dienstag Abend), wollte ich mich dann ein Stück Richtung Dänemark bringen lassen.
Samstag früher Abend, gepackt hatte ich noch nichts (typisch..) kommt meine 10jährige Tochter nach Hause, humpelnd. Sie war mit dem Fuß umgeknickt, wir mussten ins Krankenhaus fahren....Das dauerte natürlich. Außerdem hatten wir den Kindern versprochen zum Abschied essen zu gehen. Es wurde also später und später. Naja, irgendwann hatte ich dann alles gepackt und probehalber das Fahrrad beladen. Ein Glück, es passt alles! (Ich hatte nichtmal vorher getestet, ob die Frontroller passen). Den ganzen Kram einmal gewogen: > 20 kg! Ooops, das war deutlich mehr als ich dachte. Mir viel aber auch nichts ein, auf was ich verzichten könnte. Klar, ich kann ein Trikot wieder rausnehmen, aber gerade das macht es nun nicht aus. 3 Bücher dabei, die wiegen natürlich ordentlich. Aber lesen muss sein, schließlich ist es Urlaub! Also blieb alles so wie es war.
Nach dem Packen musste ich dummerweise noch einen Bericht für die Uni fertig schreiben- um 2 Uhr morgens war ich mit allem fertig- dabei war ich doch eh schon ziemlich gerädert von den vorherigen Nachtschichten.
Sonntag ging es also los, erstmal mit dem Auto nach Tönning. Draußen war es grau und regnete. Richtung Norden wurde es immer mehr und ich dachte mir "noch kann ich umdrehen" Wollte ich aber gar nicht. Ich war ganz kribbelig dass es nun losgeht. Auch die Tage zuvor war ich schon richtig aufgeregt.
Also, nun ging es halt los





Teil I: Norddeutschland und Dänemark





Tag 1: von Tönning nach Sylt [60 km (äh...ja)]

In Tönning wurden das Rad und das ganze Gerödel aus dem Auto geladen, ich verpackte mich regensicher. Gemeinsam mit Freund (kein Tippfehler, er nennt mich Freundin, ich ihn Freund :-) ) wurde noch ein Blick auf einen dort aushängenden Plan von Tönning geworfen. Also, erstmal ein kurzes Stück Richtung St.Peter-Ording, dann rechts halten. Abschied und dann ging es richtig los.

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Mal regnete es, mal schüttete es wie aus Eimern. Ich fuhr so gemütlich vor mich hin, irgendwann fiel mir ein Schild auf: St.Peter-Ording 20km. Oh schön, nur noch noch 20 bis St.Peter- blöd nur, dass ich da ja gar nicht hinwollte. Ach ja, da war doch was mit rechts abbiegen...Ich fand einen Plan von der ganzen Gegend und stand ein bißchen ratlos davor. Ein paar andere Leute standen auch dort. Die kannten sich aus, waren sehr nett- und so quatschte ich mich erstmal fest :-)
Irgendwann fuhr ich dann weiter durch den Regen Richtung Norden um dann Richtung Osten/Husum zu fahren. Als ich dann endlich in der richtigen Richtung unterwegs war hatte ich ordentlich Rückenwind, man das fuhr sich gut und zügig! Nur leider war ich mittlweile ganz schön spät dran und so beschloss ich, schon in Husum den Zug nach Sylt zu besteigen. Das ist zwar irgendwie gemogelt. Aber nachdem ich in Husum das Schild sah "Tönning 25km" und ich aber schon 50 drauf hatte, ging das so in Ordnung.
Schon am Bahnsteig kam ich mit dem nächsten Menschen ins Gespräch, der hatte auch ein Rad dabei, wenn auch eher Modell Drahtesel.
Die Zugfahrt dauerte länger als ich dachte und als ich in Westerland aus dem Zug kam war es schon dunkel. Der nette junge Mann vom Zug gab mir noch seine Handynummer, für den Fall dass ich nirgends unterkomme. Spätestens wenn man mit dem Rad reist merkt man: Die Menschen sind doch besser als ihr Ruf. Noch oft auf dieser Reise bekam ich Unterstützung von sehr netten Menschen.
Nun suchte ich also im Dunkeln nach dem Campingplatz- erfolglos. Nach ca 10km planlosem Umherirren fuhr ich zurück zum Bahnhof um mir ein Taxi zu nehmen."Zum Campingplatz bitte" . Ich suchte mir extra einen Bulli, wegen des Rades und so...Aber der Fahrer erklärte, da kommt kein Rad rein, das Auto sei so neu (???) und er rief einen Kollegen. Ruck zuck wurde das Rad und die Sachen verstaut [was das Rad leider nicht ganz unbeschadet bestand- am nächsten Morgen sah ich, dass vorne an der Abdeckung der Schalthebel was abgeplatzt ist :-( ] und ab zum Campingplatz. Der sah ausgesprochen zu aus, also ab zum nächsten. Der Taxifahrer wartete netterweise bis wirklich geklärt war, dass ich dort unterkomme. Nun musste ich also noch im stockdunkeln das Zelt aufbauen. Der Platz war natürlich beleuchtet- aber nicht dort, wo ich hinsollte. War ich froh, dass ich das Zelt zu Hause schonmal probeweise aufgebaut hatte!
Vorne am Campingplatz gab es ein Lokal- nur zu Essen bekam man dort leider nichts mehr. Ich hatte noch verpacktes Putenfleisch in der Tasche, das gab es dann zum Abendbrot. Dann verkroch ich mich in den Schlafsack. Nun war ich also richtig unterwegs, die Aufregung war weg und Tag 1 ging zu Ende.
Es war richtig stürmisch draußen und von dem Krach schlief ich ziemlich schlecht.


Tag 2 : von Sylt über Rømø nach Bramming (ca 20km vor Varde) [ ≈ 90km ]

Auch wenn ich nicht so gut geschlafen hatte, ich fühlte ich ausgesprochen gut. Außerdem regnete es nicht mehr. Ich frühstückte ein bißchen, packte meinen Kram zusammen und es ging weiter.Ich wollte bis Norre Nebel fahren, eigentlich...Als ich damals zum Fjord fuhr bin ich am letzten Tag von Rømø bis zum Zielort (Skåven)gefahren. Nun war ich ja erst auf Sylt, aber Norre Nebel ist auch näher, und da ich das ja damals auch gefahren bin, hab ich das eben so eingeplant.Aber da hatte ich den Wind unterschätzt!!
Beim Fahren über Sylt fand ich das noch toll. Eigentlich bin ich ja Windsurfer und mag Wind- wenn auch nicht beim Radfahren. Nun war der Wind also da (worauf wir kurz vorher in Dänemark noch sehnsüchtig gewartet hatten.) Falscher Zeitpunkt, aber auf der Insel trotzdem beeindruckend und schön. Ich wollte zum Strand/Strandpromenade. Da kam der Wind mir entgegen, so heftig, dass ich absteigen musste und das Rad schob. Zurück vom Strand ging es dafür ganz ohne treten :-)




Während der weiteren Fahrt über Sylt hatte ich den Wind von links. Ich empfand das hier auch nicht als schlimm, es störte zwar beim Fahren, aber es war eben auch schön, die Naturgewalten so um sich herum zu spüren. Ich hatte es ja auch nicht eilig und blieb eh dauernd stehen um zu gucken und Fotos zu machen.
Was mich dann doch ärgerte, als ich a Fährhafen ankam und gerade ein Schiff ablegen sah. Und wie schon vermutet, ich hatte die Fähre verpasst- um 2 Minuten! Die nächste ging erst in 2 Stunden und so aß ich erstmal in aller Ruhe ein Fischbrötchen. Und noch eins. Und eine Waffel mit Kirschen und Sahne. Und dann war mir schlecht (komisch...) Irgendwie gingen die 2 Stunden dann auch rum und ich war auf der Fähre nach Rømø.

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Auf Rømø nervte mich der Wind so langsam dann doch. Ich wollte ja auch mal vorwärts kommen.Außerdem war er unberechenbar. Mal von der Seite, mal von vorne. Mal ganz harmlos, dann pustete es einen fast um. Außerdem war der Weg bis zum Damm aufs Festland länger, als ich ihn in Erinnerung hatte. Und so richtig interssant oder schön fand ich den Abschnitt auch nicht. Irgendwann erreichte ich dann endlich den Damm, dort hatte ich dann Rückenwind. Ein Glück, ich hatte schon Angst, der Wind dreht vorher. So mit bis zu 8 Windstärken von hinten, das fuhr sich natürlich gut, ohne große Anstrengung konnte ich zwischen 25 und 30km/h fahren.



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Aber der Spaß hielt nicht lange an. Nach dem Damm ging es Richtung Norden und ich hatte den Wind von der Seite. Und das störte mehr, als ich erwartet hätte. (Ich fahre sonst bei Wind nicht Rad, warum auch? Da muss ich doch surfen ;-) ) Am schlimmsten wurde es kurz vor Ribe: Ich fuhr auf der Straße und wurde dauernd vom Wind abgedrängt. Beim Versuch dagegen zu halten landete ich dann auch mal zu weit auf der Straße. Die Leitplanke aus Beton direkt neben mir sorgte auch nicht gerade dafür, dass ich mich besser fühlte und bei jedem entgegenkommenden LKW hat es mich fast vom Rad gehauen. Nun hatte ich echt die Schnauze gestrichen voll vom Wind!
In Ribe bin ich dann auch noch umhergeirrt (wie eigentlich immer, wenn ich in einer Stadt lande) und nach Ribe hatte ich den Wind dann schräg von vorn. Das machte es ja nun auch nicht besser. Ich war genervt, das Fahren wurde zum Kampf. Und dabei sollte doch dieser Abschnitt so nebenbei laufen, zum warm werden. Das konte ja heiter werden....
Irgendwann war auch klar, dass ich ganz sicher nicht bis Nr. Nebel komme an diesen Tag und ich nahm mir vor, auf den nächsten Campingplatz zu gehen. Blöd nur, dass keiner kam. Ich hatte keine Lust mehr, kämpfte gegen den Wind, war müde und frustriert. Ich kam ja nichtmal halb so weit wie geplant. Die Gegend dort ist auch nicht besonders spannend. Und gegen den Wind hatte ich schon Probleme, auch nur die Dünen raufzufahren und ich machte mir Gedanken, ob Norwegen so das Richtige für mich ist. Hatte ich doch gehört, da seien Berge...
Es wurde immer später und ich überlegte schon, mein Zelt einfach auf ein Feld zu stellen. Das mache ich aber nicht gerne- nichtmal da, wo es erlaubt ist. Ich würde ja jemanden fragen- wenn dort irgendo wer zum fragen wäre. Irgendwann fuhr ich durch einen kleinen Ort oder Dorf und sah neben einem Haus die perfekte Wiese- und vor dem Haus stand eine Frau. Die Gelegenheit, da frage ich jetzt! Oder? Kann ich doch nicht machen, einfach so jemanden ganz fremden...Ich fuhr also doch lieber weiter- und drehte nach ein paar Metern wieder um. Es würde nicht mehr lange dauern, bis es dunkel wird. Und schlimmstenfalls sagt die Frau halt nein.
Ich sprach sie also an, ob sie deutsch spricht "ja, ein bißchen" und fragte, ob ich mein Zelt in ihrem Garten aufbauen darf. "Natürlich, aber möchstes du nicht lieber drinnen?" Na, da musste ich nicht lange überredet werden! Rad in die Garage und ich rein. Ich bekam Abendbrot (selbstgebackene Brötchen), ein heißes Bad und heißen Tee.
So ging dieser Tag dann tatsächlich noch sehr schön zu Ende.





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Tag 3: von Bramming nach Vedersø Klit [ 87 km]

Richtig gut ausgeruht und erholt ging es dann am Morgen weiter. Der Wind war weniger, etwa 5 Windstärken, dafür hatte ich ihn nun direkt von vorn. Meine Reisegeschwindigkeit lag nun unter 12 km/h. Ziemlich frustrierend, wenn man 18-20 eingeplant hat (zumindest für die Etappen vor Norwegen). Nun hatte ich das Gefühl, die Dünen gar nicht mehr raufzukommen und überlegte noch einmal, dass Norwegen ja wohl doch eine blöde Idee ist. Auf der ersten kleinen Steigung ist es dann auch noch passiert: Ich bin aus dem Stand umgefallen. Es ging rauf bei Gegenwind, ich wollte aus der Klickpedale, wurde dabei so langsam dass ich wackelte und auf dem Acker landete. Da bremste ich dann auch noch aus Reflex und das war es, ich kam nicht mehr raus und fiel einfach um, ganz langsam wie in Zeitlupe. Naja, ich fiel weich auf den Rasen und es ist nichts passiert. Gesehen hatte es auch keiner. Kichernd fuhr ich weiter.
Die Strecke war immer noch ziemlich langweilig und ich beschloss, in Varde zu gucken, ob ich mit einem Zug weiterkomme. Das hätte ich am Tag zuvor schon machen wollen- wenn ich so weit gekommen wäre.
In Varde nahm ich dann den Zug nach Nr. Nebel. Das war auch ganz interessant, ganz anders als sonst mit dem Zug zu fahren. Der ganze Zug hatte 2 Waggons, der Zugführer war auch der Schaffner und Kartenverkäufer und stieg ab und zu mit einem Werkzeug aus und machte irgendwas an den Schienen :-)



Im Zug überlegte ich sogar noch, ob ich versuche ab Nr. Nebel noch mit dem Bus weiter zu fahren. Aber, es sollte ja schließlich eine Radreise sein. Allerdings war ich das Stück bis Søndervig vor kurzem erst gefahren (Im Urlaub einmal um den Ringkøbingfjord). Aber eigentlich ist das durch die Dünen fahren bis Hvide Sande ja ganz schön.

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Also fuhr ich mit dem Rad weiter. Das war einerseits ganz gut so: Ich merkte in den Dünen, dass wirklich der Wind es so schwer macht und ich nicht generell zu schlaff bin um ein bißchen bergauf zu fahren.. Ich war ja diese Strecke mit dem gleichen Rad gefahren (wenn auch ohne Gepäck) und wusste also, dass das ohne Wind problemlos geht. Das nahm mir ein wenig die Angst vor den Bergen. Andererseits kam ich einfach kaum vorwärts. Ich überlegte auch, doch lieber auf der Straße zu fahren, das ist dort aber nicht gerade schön.
Bis Argab fuhr ich weiter durch die Dünen und wechselte dan auf die Straße (mit Radweg). Danach wurde es dann wieder recht langweilig. Die Strecke bis Søndervig zog sich ewig hin. Außerdem ärgerte ich mich nun doch, dass ich nicht den Bus genommen hatte, denn dann hätte ich vielleicht doch noch meine Fähre um 22h45 bekommen. So war da nicht mehr dran zu denken, es war noch viel zu weit bis Hansholm. Trotzdem wollte ich noch möglichst weit kommen und ging noch nicht auf den Campingplatz. Für den Fall, dass mich mal die totale Lustlosigkeit packt, hatte ich Musik dabei. Die brauchte ich nun und mit Hilfe der Musik konnte ich noch weiter fahren. (Das war das einzige Mal auf der Tour, dass ich die Musik brauchte!) Halt immer geradeaus. Aber so langsam musste ich mir doch eine Unterkunft suchen, es begann zu dämmern. Blöd nur, dass wieder nix kam. Irgendwann fragte ich dann vor einem Haus, ob ich mein Zelt dort aufbauen darf (da hatte ich ja nun schon Übung drin). Ich durfte, allerdings erwähnte der Mann, dass in 6 km ein Campingplatz kommt. Na, dann fahr ich doch da noch hin.
Die ersten 4 der 6km gingen so an mir vorbei, die letzten 2 zogen sich hin. Ich hatte halt das Gefühl ich sei gleich da und nach der Kurve kommt bestimmt der Campingplatz- kam er aber nicht. Nachdem ich dann ankam hab ich das Zelt gerade noch so im Hellen aufgebaut bekommen und mir im Dunkeln meine Nudeln gekocht. Ich sitze vor meinem Kocher, setz mich ein bißchen anders hin und plötzlich *autsch* mein Rücken. Stechender Schmerz. Davor hatte ich schon vor Beginn Angst, weil ich häufiger Problem damit hatte. Und nun? Ich konnte mich kaum rühren und hab dann sicherheitshalber eine Diclac genommen. Hoffentlich hilfts! Außerdem taten die Beine ganz fürchterlich weh, ich konnte kaum noch gehen. Das fing aber auch erst an, nachdem ich abgestiegen war. So brauchte ich erstmal gar nicht groß überlegen, wie es denn nun (wegen der verpassten Fähre) weitergehen soll. Erstmal abwarten, ob ich mich morgen bewegen kann.

Tag 4: von Vedersø Klit nach Hanstholm [ ≈ 130 km ]

Die Streckenlänge zeigt, ich konnte :-) Der Rücken war halbwegs in Ordnung (Möbel hätte ich so keine geschleppt) und dass die Beine zwicken, na das ist halt so, wenn man dem Körper so ungewohnt viel Radfahren zumutet.
Damit ich frühstücken konnte, besorgte ich mir erstmal Milch für's Müsli aus dem Campingplatzladen. Blöderweise gab es nur ganze Liter und ich brauchte nichtmal 1/4. Hab den Rest halt dann verschenkt. Besser als Müsli mit Wasser (igitt). Beim Zelt abbauen hab ich mich dann erschrocken, da saß was unterm Zelt:

Die Kröte sah ein bißchen mitgenommen und platt aus. Hab ich da etwa die ganze Nacht draufgelegen??? Bewegt sich nicht mehr..Doch, sie hüpfte weg.
(Das komische Ding links von der Kröte ist ein Regenwurm, der die ganze Zeit so senkrecht aus der Erde guckte)


Erstmal ging es nun nach Thyborøn und dort mit der Fähre nach Agger. Ich war zum Windsurfen schon häufiger in der Gegend- aber mit dem Rad ist eben doch alles anders. Bis Thyborøn ging es sehr gut. Ich fühlte mich gut und hatte das Gefühl, dass ich gut vorankomme. Ich überlegte dass ich es vielleicht schaffen würde, die Fähre am Nachmittag zu bekommen (mir war nicht klar, wie weit es noch nach Hanstholm ist). Und wenn nicht, könnte ich ja mit dem Bus oder so von Hanstholm nach Hirtshals und dort am Donnerstag Vormittag die Fähre nach Stavanger nehmen.
Ziemlich zufrieden kam ich also in Thyborøn an und ging dort auf die Fähre. Auf der anderen Seite wurde es dann nervig- ich hatte das Stück bis nach Agger nicht soooo lang in Erinnerung (mit dem Auto ist es eben schnell vorbei). Man zog sich das hin. Und dann war ich endlich in Agger. Dann sah ich das Schild: Hanstholm 50km. Ach du heilige Sch...DAS hatte ich echt anders in Erinnerung gehabt, so kurz nach Agger dachte ich, sei ich da. Oh Schreck. Und nun? Naja, was schon: weiterfahren. Oder..ich könnte statt nach Hanstholm nach Thistedt fahren und sehen, wie ich von dort wegkomme. Aber wer weiß, was da wann wohin fährt. Lieber keine Experimente! 50 km sind ganz schön lang, wenn man mit deutlich weniger rechnet! Hätte ich das vorher gewusst, wäre das anders gewesen. Außerdem war das Wetter wieder ganz schön trostlos: grau und nass. Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, dass es doch weiter ist als gedacht und und dass ich die Fähre nicht bekomme, ging es wieder ganz gut. Irgendwann war ich dann in Nr.Vorrupør, von da ist es nicht mehr weit nach Klitmøller und von da nicht mehr weit nach Hanstholm. (Ähm...zumindest nicht mit dem Auto) Nr.Vorrupør- Klitmøller war auch wieder weiter als ich es in Erinnerung hatte (22km sind es), aber Klitmøller-Hanstholm war ich schonmal mit dem Rad gefahren. (Ich nahm mir vor, keine Strecken mehr die ich vom Autofahren kenne, mit dem Rad zu bereisen).
Ich überlegte auch in Klitmøller zu bleiben, da kenne ich den Campingplatz und die Fähre ist eh seit Stunden weg. Aber nun hatte ich mir in den Kopf gesetzt bis Hanstholm zu fahren, basta! Außerdem dachte ich ja, ich könnte von dort mit dem Bus nach Hirtshals....Ziemlich dämlich, ich war schon oft genug in Hanstholm. Ich hätte also wissen können, dass da nichts ist. Aber ich hab halt nie drauf geachtet und dachte "da wird schon was sein". Selbst Schuld...
In Hanstholm kaufte ich erstmal ein und guckte nach den Bussen. Ooops, da gibt es ja gar nichts passendes. Mist. Na, dann such ich eben den Campingplatz.Ich übelegte "hab ich hier schonmal einen gesehen? Nein" Und nun? Ich wollte hier weg, irgendwie. Weil mir nichts Besseres einfiel überlegte ich ein Taxi zu nehmen. Aus einer Broschüre über die Gegend suchte ich mir die Nummer eines Taxiunternehmens raus und fragte nach dem Preis. 1400 DKR- Holla die Waldfee. Aber egal, ich will hier weg. Also zum Geldautomaten und das Konto geplündert und nochmal beim Taxi angerufen. Ich wollte gegenüber vom Fährhafen warten, am Seemansheim. Das kannte ich vom vorbeifahren. Wir fragten uns immer, was das eigentlich ist und wer dort wohl absteigt.
Dort wartete ich dann. Und wartete und wartete...Dann sprach mich ein Mann an und fragte wo ich hin will (das passiert ja doch sehr häufig, wenn man mit so voll beladenem Rad unterwegs ist) und ich erzählte halt. Fähre, Hirtshals, Taxi...Der Mann war entsetzt. Um Gottes Willen, Taxi, so teuer (wo er Recht hat, hat er Recht). Er erzählte, dass man im Seemannsheim für 150 DKR unterkommt. Aber was hilft es mir? Die nächste Fähre von hier würde erst am nächsten Abend b.z.w. erst in der Nacht gehe und ich wusste auch nicht, was ich in Hanstholn den ganzen Tag hätte anfangen sollen. Außerdem hatte ich das Taxi ja schon bestellt. (Es kam bloß nicht. )Der Mann erzählte weiter, ich könne doch am nächsten Morgen die Fähre nach Kristiansand nehmen. Aber da wollte ich ja gar nicht hin. Und wo ist das überhaupt? Ach so, da. Naja, eigentlich...Ich könnte ja von Kristiansand mit der Bahn nach Stavanger oder Bergen. Wenn ich nicht das Taxi schon bestellt hätte. Was aber immer noch nicht kam. Ich konnte ja zumindest mal fragen im Seemansheim. Und falls ich hierbleibe würde ich dem Taxifahrer ein dickes Trinkgeld geben. Ist ja blöd, so eine große Tour die dann doch nicht stattfindet.
Ich beschloss dann tatsächlich im Seemansheim zu bleiben. Außer der recht preisgünstigen Übernachtung (Zimmer wie in einer Jugendherberge) gab es auch günstiges Essen. Und gut war es auch noch! (Da hätte ich nun wirklich nicht mit gerechnet)

Nach über einer halben Stunde! tauchte dann das Taxi auf. Das war so spät, da wollte ich auch kein Tringeld mehr geben. Am Telefon hieß es "kommt gleich". Neee, das ist zu lange. Ein bißchen zwickte mich das Gewissen aber trotzdem.

Wie schon am Tag zuvor taten die Beine weh, nachdem ich zur Ruhe gekommen war. Nur schlimmer diesmal. Die Treppen wurden zur Qual. Trotzdem, besser als der Rücken. Als ich nach dem Essen vom Stuhl aufstand sah das wohl ziemlich erbärmlich aus. Zumindest grinsten andere Gäste sich einen. Aber am Tag zuvor ging das ja auch über Nacht weg, das wird schon wieder. Und am nächsten Morgen musste ich ja nur auf die Fähre, ein paar Meter entfernt und wollte dann in Norwegen erstmal einen Tag Pause machen.
Ich verkroch mich ins Bett und schnappte mir mein Norwegen-Rad-Buch um nach Alternativen zu gucken zu meiner bisherigen Planung. Ich könnte ja auch durchs Landesinnere hoch oder halt von Kristiansand an der Küste entlang oder einen Zug nehmen ...Mal schauen.


Es gibt sicher schönere Orte als Hanstholm bei Regen :

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Tag 5: von Hanstholm (DK) nach Kristiansand (N) [ ≈ 10km, oder so ]

Wie schon an den Tagen zuvor taten die Beine am Morgen kaum noch weh. Und heute sollten sie sich ja auch ausruhen können.
Erstmal gab es noch ein ordentliches Frühstück (60 DKR, glaube ich). War richtig toll, mit Melone, Ananas und sonstigem Obst, diversen Brot- und Brötchensorten, Müsli, Cornflakes, Joghurt...alles halt.
Dann ging es rüber zur Fähre. Sah ganz schön schnell aus. War es auch: 2 Stunden bis Kristiansand. Zum Glück war es nicht mehr so stürmisch, sonst wäre mir wohl schlecht geworden.



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Dann war ich also endlich in

Norwegen:

Aus Kristiansand wollte ich schnell weg, das war mir zuviel Stadt. Aber erstmal musste ich mich orientieren. Ich besorgte mir in der Touristeninfo einen Plan und guckte wo der nächste Campingplatz ist. War ein bißchen außerhalb, das war mir auch mehr als Recht. Ich musste allerdings ziemlich suchen und mich durchfragen. Und ich musste die ersten Steigungen bezwingen. Gleich die erste war nur ganz kurz- und sehr steil. Ich hab das Rad geschoben. Allerdings war ich da nicht die einzige.

Auf dem Campingplatz war so gut wie nichts los, ich hatte ihn fast für mich allein. Und ich war sofort begeistert, war das schön!!! Und dann direkt am Wasser, mit vielen versteckten Buchten. Allerding nicht immer versteckt genug ;-) Vor lauter Begeisterung über das kristallklare Wasser zog ich mich in einer ganz einsamen Bucht aus um hineinzuspringen. Sicherheitshalber guckte ich mich vorher nochmal um, ob ich wirklich allein bin. War ich. Bis auf das voll besetzte Touristenboot auf dem Wasser direkt vor mir Naja, die kennen mich ja nicht...
Ich kletterte ein bißchen auf den Felsen herum, schaute mir die Gegend an und fand es einfach nur toll. Die Felsen, das klare Wasser...
Außerdem schien seit meiner Ankunft in Norwegen die Sonne. Ich nutze die Gelegnheit und wusch einige Klamotten und trocknete sie auf den Felsen.

Nun war ich endlich in Norwegen und es konnte richtig losgehen















Fortsetzung folgt!